Potsdam Stadtwerke

Café Minsk – ein Störobjekt?

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr der Stadt Potsdam hat gestern eine vermutlich wegweisende Entscheidung über den Fortgang des „Café Minsk“ getroffen. Nach einer guten Stunde langer Diskussionsbeiträge war eine Entscheidung gefallen. 

Die Beschlussvorlage der Fraktionen DIE LINKE und DIE aNDERE über eine Weisung an die Geschäftsführung der Stadtwerke Potsdam GmbH eine Einzelvergabe der Grundstücke am Brauhausberg zu erwirken um das Minsk zu erhalten und mit einer öffentlichen Nutzung erlebbar zu machen wurde mit 4:3 Stimmen abgelehnt.

Wie wichtig das Thema vielen ist konnte bereits durch die Anzahl und Qualität der Besucher angesehen werden. Anwesend waren beide lokal präsenten Zeitungsverlage, die Geschäftsführung der Stadtwerke und ebenso eine große Anzahl an weiteren Gästen. Herausragend sei hierbei die Vizepräsidentin der Architektenkammer Brandenburgs erwähnt, die dank beantragten Rederechts sich deutlich für einen Erhalt für das Café Minsks eingesetzt hat. Dies auch unter einem deutlichen Hinweis auf die Einmaligkeit des Gebäudes in der DDR-Baugeschichte.

Natürlich wurde in der Diskussion dieses Thema aufgegriffen. So durften die Anwesenden lernen, dass alleine durch den Abriss der Nachbarbereiche das ehemalige Ensemble nicht mehr vorhanden ist und damit auch das Minsk seine Berechtigung verloren hat. Denn der Verlust des Ensembles macht das Gebäude wohl überflüssig. Bezeichnend war, dass dieses wohl nur ein „Scheingefecht“ war. Es wurde zwischendurch deutlich, es geht um Geld. Man möchte sich wohl die 27 gebotenen Millionen Euro einfach nicht entgehen lassen.

Als Argumente hielten u.a. die vermutlich falsche Formulierung des damaligen Wettbewerbs herhalten. Inkl. der Vorbedingungen zu diesen. Über Verdichtung der Einwohnerzahlen, Geschossflächenzahlen usw. kamen viele Argumente aus dem Baurecht, welches in Bebauungsplänen vorkommen. Man könnte zu der Vermutung kommen, dass alleine schon die Ausschreibung mit den Vorgaben einen Teil der Gesamtpolitik beim Umgang mit diesem Objekt vorgab, als wollte man das Minsk einfach nur loswerden.

Selbst der Entscheid wo das Bad gebaut werden sollte, wurde in die Gesamtargumentation eingebunden. Natürlich mit dem Hinweis, es hätte ja auch woanders gebaut werden können, aber der Bürger hat halt falsch entschieden. Solche Aussagen könnte man aus der Diskussion herauslesen. Lernen durfte man auch, selbst Wohnungen lassen sich im Minsk nicht einrichten – manch Architekt würde dieser Aussage deutlich wiedersprechen.

Es ist auch überhaupt überall zu lesen und zu hören, dass der bauliche Zustand des Minsk „bedenklich“ ist. Eine Anfrage des Autors ob ein Bauingenieur sich das Minsk in seinem derzeitigen Zustand besichtigen könnte, um sich ein Bild des Bauzustandes machen zu können wurde seitens der Stadtwerke unter Hinweis „auf den baulichen Zustand“ abgelehnt.

Wie geht es nun weiter, es ist nunmehr davon auszugehen, dass der Hauptausschuss als auch die Stadtversammlung sich dieser ablehnenden Haltung anschließt. Damit wäre das Schicksal des Minsk entschieden: Es stört und muss weg. – Ob das wirklich die beste Lösung ist?

Jede Stadt sollte zu ihrer eigenen Historie stehen, dazu gehört auch eine offene Auseinandersetzung hinsichtlich einzigartiger Bauten. Denn das Terrassencafé Minsk ist einzigartig! Eine gelunge Komposition der Architektur in der sogenannten Ostmoderne.

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